10 Years of Making Apps

Apple ist, was man draus macht

Kaum da, schon fängt es an. Also eigentlich ja noch nicht mal richtig da. Der neue Löwe. Kaum geladen und installiert – da fangen sie wieder mit ihrer Lieblingsbeschäftigung an.

Brauch ich nicht. Ist ja doof. Ist ja nur Eye-Candy. Dafür soll ich Geld ausgeben. Apple wird sterben.

Jetzt mal im Ernst. Bitte was erwartet ihr denn? Die jährliche Revolution? Natürlich geschenkt.

Bitte was macht ihr denn so mit eurem Mac und dem System da drauf? Selbst ihr, die ihr alles besser wisst. Sogar besser als Apple. Was macht ihr wirklich?

Das, was ihr zu 99 Prozent täglich mit eurem Rechenknecht tut, das ging schon mit OS 9. Vieles davon schon mit OS 7. Und erst recht mit Jaguar. Nur halt nicht ganz so bequem und flott.

Alles was danach kam und kommt ist Feinschliff. Aber an den Prinzipien und grundlegenden Dingen hat sich nicht wirklich etwas geändert. Die selben Techniken, die selben Protokolle. Nur verbessert halt.

Ist es ernüchternd für uns eingebildeten Besserwisser? Klar. Wir lächeln müde über hässliche Notiz und Todolisten Programme. Wir mit unserer Dropbox und unseren Besserwisserblogs – so wie dieses hier zum Beispiel.

Für die allermeisten reicht es – endlich Notizen auf iPad und iMac und iPhone in der selben idiotensicheren und funktionierenden Umgebung zu haben.

Die allermeisten Menschen kommen mit dem Dateisystem und Pfaden nicht wirklich klar. Die können die absoluten Illustrator und Photoshop Geeks sein, haben aber alles auf dem Desktop rumfliegen – weil sie es sonst nicht finden.

Für die ist es toll, wenn sie TextEdit oder Pages aufmachen und einfach alle ihre Dokumente angezeigt bekommen. Aus den Augen aus dem Sinn. Die können dann das nächste tolle Buch für uns schreiben – ohne sich verrückt machen zu lassen.

Und die lieben den App Store. Und die werden nie auf die Idee kommen, die Einstellungen zu ändern. Wenn das System ihnen sagt, dass sie das nicht dürfen, weil es unsicher ist – dann sagen sie danke.

Denn genau darum geht es. Das System komfortabler und sicherer zu machen. Und genau das tut Apple. Ihr, die ihr auch alle nur noch im App Store einkauft – weil es so schön einfach und idiotensicher und bequem ist.

Und ihr bekommt auch alle nicht mit, was sich unter der Haube alles tut. Um das System sicherer und einfacher und idiotensicherer zu machen.

Dankend nur noch 29 Dollar bezahlen, weil so viele Idioten – über die man sich so schön aufregen kann und die daran Schuld sind, dass nichts mehr Pro ist – einen Mac kaufen und Apple deswegen so schön die Preise senken kann. Selbiges gilt für eure Hardware und Gadgets. Also die Idioten, die euch eure Geräte mit sponsern und eure Kunden sind.

Ist alles toll? Nein. Besonders aus Entwicklersicht ist man nur noch am Kotzen. Auch als Anwender. Klar. Wird man doch von Apple gerne mal liebgewonnener und praktischer Dingen beraubt.

Speichern unter ist unser tägliches Brot.

Nur in drei Jahren wird es keiner mehr von uns brauchen. Und auch nicht vermissen.

Denn eines hat Apple noch nie gemacht. Die hocken da nicht in ihrem Mutterschiff und überlegen sich, welchen User sie heute mal auf welche perfide Art ärgern wollen.

Die hocken da und überlegen sich, wie sie unser aller Leben einfacher machen können. Und die sind da schon etwas weiter als wir. Und da die auch nur mit Wasser kochen, liegen sie auch manchmal daneben. Und dann korrigieren die das. Also manchmal.

Mit der Erwartung, da kommt die Enttäuschung.

Und Apple ist nun einmal das, was man draus macht.

Und wenn ich mein kleines Leben damit bereichern kann, völlig überzogene Erwartungen an ein Arbeitsgerät für wenig Geld zu stellen, nur um mich dann öffentlich darüber aufregen zu können. Völlig unreflektiert aufregen zu können – dann bietet mir Apple selbst das.

Der Rest, der ein besseres, stabileres, sicheres System erwartet – der bekommt dies auch. Mit Ecken und Kanten und der Gewissheit, dass Apple dran arbeiten wird.

Das Ziel ist nämlich nicht, immer mehr und noch mehr dran. Und eigentlich lieben wir das auch. Das Ziel ist nämlich einfacher und weniger.

Und dem ist Apple mit 10.8 wieder ein Stückchen näher gekommen. Es gibt keine Knaller mehr für ein aussterbendes System. Apple schafft es ab. Und das macht es in kleinen Schritten und führt uns alle dabei an der Hand.

Wer etwas Gegenteiliges erwartet und lauthals danach krakelt, der zeigt lediglich, dass er die Realität nicht mehr mitbekommt.

Wie wäre es, wenn ihr alle – die ihr meint es besser zu wissen – mal wieder auf die Erde zurück kommt und euch mit Fakten auseinander setzt. Konstruktive Kritik hat noch niemandem geschadet. Nicht mal Apple. Im Gegenteil.

Dieser kleine Rant wurde übrigens unter der neuen Raubkatze verfasst. Und ich mag sie. Einfach auch, weil sich unter der Haube vieles vereinfacht hat.

OS X – also der Unterbau – ist 20 Jahre alt. Und Apple mistet aus. Das macht nicht jeder. Und manche, die nicht Schritt halten können, die bleiben auf dem Weg halt liegen. Komisch, dass dies die gleichen sind, die laut meckern, dass es ja angeblich nichts Neues gibt …






Zwischenrufe

  1. Paul

    Was soll ich dazu noch sagen.
    Es ist ein Artikel der mir quasi aus der Seele spricht. Toll, toll und nochmals toll :)



  2. Paul

    Ich nochmal ;)

    Wenn ich nur diesen kleinen “Baustein” nehme:

    “Und manche, die nicht Schritt halten können, die bleiben auf dem Weg halt liegen. Komisch, dass dies die gleichen sind, die laut meckern, dass es ja angeblich nichts Neues gibt …”

    Es spiegelt auch viele heut mid-fünfziger Manager wieder, die alle gegen SocialMedia und WebDings 2.0 sind. Apple ist dabei auch doof, und die neue Kaffe-Maschine in der Küche auch. Einzig die Olle Buchhalterin die schon seit 20 Jahren da irgendwo rum sitzt ist toll…

    Kurz: Dieser Abschnitt trifft derzeit auf so alles zu, was nicht mehr aus n puschen kommt und sich aber genau darüber öffentlich aufregt…

    Es gibt so viele Beispiele dafür… Nochmals danke für dieser Erheiterung an diesem Freitag.



  3. Simon

    Genau solche Artikel sind der Grund warum ich hier jeden Tag vorbei surfe und mit einem lächeln wieder weiterziehe. Danke dafür - dass du schreibst was ich denke!

    Viele Grüße
    Simon



  4. Ben

    Danke.



  5. Link der Woche 16 | comme il faut

    […] Apple ist, was man draus macht […]



  6. Ludwig GE

    Es ist immer wieder schön Michaels Ausfällen zu folgen!

    @Paul: bitte keine vorschnellen Urteile. Es gibt noch viel ältere Modelle als die Mid-Fünfziger, die nicht so verknöchert sind - z.B. ich - ein Fast-Siebziger, also ein Altachtundsechziger! ;-)



  7. Paul

    @Ludwig GE das sollte eigentlich auch kein vorschnelles Urteil sein. Eigentlich eher ein “Beispiel”, da ich in letzter Zeit das Vergnügen hatte viele solcher Menschen kennen zu lernen… Das hat mich so an diesen tollen Artikel hier erinnert.

    Das es auch anders geht, habe ich zum Beispiel aber auch an meiner Mama erlebt.
    Sie ist seit 1 1/2 Jahren Mac User inklusive iPhone und brüllt jetzt schon das sie nichts anderes mehr will. Sie “verlangt” nach immer mehr Input und nutzt ebenfalls Twitter und Facebook um Ihre Geschäftskontakte zu pflegen. Löblich wie ich finde :)

    …sie ist 52 ;)

    Es geht also, man muss den Kopf dafür “nur” frei haben und “Neuem” gespannt gegenüber stehen.




Du verspürst den Drang zum Zwischenrufen? Dann gib dich ihm hin!