Da ist es heute also soweit Es ist mal wieder WWDC. Das ist eigentlich nichts anderes als eine Veranstaltung für komische Entwickler/Nerds/Geeks gewesen. Bis vor ein paar Jahren haben sich da auch nur eben genannte für interessiert und die Veranstaltung war nie ausverkauft. Nie.
Das hat sich geändert. Jetzt dauert es nur noch Minuten bis alle Tickets weg sind es es geht auch nicht mehr nur um Dinge, die Entwickler interessieren und vielleicht einer Vorstellung eines neuen Books oder Macs, das von Entwicklern benötigt wird, um zum Beispiel von OS 9 auf OS X, von Carbon auf Cocoa, auf PPC oder Intel umzusteigen.
Nein, die ganze Welt schaut nach San Francisco diese Tage. Und das mit der ganzen Welt meine ich genau so.
Jetzt mal dieses mit dem Früher war alles … ganz außen vorgelassen, schauen wir uns mal das mit den Erwartungen noch mal an. Und was wir alles erwarten. Und dabei vergessen wir immer so gerne, dass wir unmögliches von Dingen erwarten, die wir vor drei/sieben/zehn/zwanzig Jahren nicht mal kannten und trotzdem wunderbar leben konnten.
Auch erwartet jeder etwa anderes – eben nicht nur Entwickler. Und deren Zahl hat sich in den letzen Jahren verhundertfacht. Dies ist übrigens erst einmal eine wertfreie Feststellung. Persönlich finde ich die zeitliche nähe zwischen den PRISM Enthüllungen und der fieberhaften Anspannung, was wir uns denn zukünftig so in die Hosentasche stecken wollen mit GPS, Internet und Co schon herrlich.
Was ich auch herrlich finde, ist die Tatsache, dass mir das alles mittlerweile fast am Arsch vorbei geht. Ja, na klar werde ich mir das anschauen. Aber ich werde wohl kaum zu enttäuschen sein. Mich interessiert mehr, wie viele tausende Seiten neuer Dokumentation ich dieses Jahr wieder lesen darf, was ich alles in meinen Apps umbauen muss.
Ich weine nicht, wenn kein neuer Mac Pro kommt, wenn das neue iPad mini kein Retina Display hat. Mir ist es vollkommen schnuppe, ob das neue iOS 7 nun doch in Farbe, mit Schatten oder in grau daherkommt. Viel interessanter finde ich ja die Frage, ob wir im Jahre acht nach iOS dann doch endlich mal Rich Text für alle bekommen oder ob ich einfach weiter den Kopf schütteln darf.
Mein jetziges MacBook Pro ist auch schon leicht genug und mein iPhone 5 liegt nur im Schrank. Sofern die ihr ganzes Konzept nicht überdenken, brauchen die mir auch nicht mit einem iPhone 5S daher kommen.
Ich brauche auch kein iRadio. Ich bin da ganz komisch, ich hätte gerne, dass mir die Dinge gehören, für die ich Geld ausgegeben habe. Diese verquere Einstellung geht stellenweise so weit, dass ich noch richtige Bücher aus Papier kaufe und mein New Yorker Abo auch kein digitales ist.
Eine 27 Zoll Retina Display dagegen hätte ich schon gerne – nur wage ich das leider immer noch zu bezweifeln. Die Bandbreite, die Geschwindigkeit und so – ihr wisst schon.
Und dann wäre da noch die Sache mit dem neuen Heilsbringer. Den die ja jedes Jahr für uns aus dem Arsch ziehen sollen. Ich glaube nicht daran, dass wir da heute Abend etwas sehen werden. Das muss aber auch nicht sein. Zumindest nicht für mich.
Ich habe kein Problem damit, wenn die die Dinge, die sie in den letzten Jahren aus dem Arsch gezogen haben, einfach weiter verfeinern. Womit sie mich allerdings wirklich komplett verschonen können ist eine Uhr. Ernsthaft? Eine Uhr?
Das Killerfeature, welches sie wirklich vorstellen könnten wäre in einen Nebensatz zu packen:
blablabla … mehrere iTunes/iCloud Accounts nebeneinander funktionieren jetzt auch … blabla
Denn es sind nicht die großen Dinge, es sind die kleinen, wenn wir mal ehrlich sind. Dateien aus dem mobilen Safari laden zu können, zum Beispiel. Oder dass sich das doofe iOS merkt, wem ich in welcher Sprache schreibe/antworte/texte. Oder noch besser, dass es völlig unerheblich wird.
Dann hätte sich für mich der Abend schon gelohnt.
Toll fände ich auch, wenn sie mal wieder eine gescheite Keynote hinlegen würden und nicht so eine stümperhafte, wie die letzten. Ich hätte auch kein Problem damit, den guten Ive auf der Bühne zu sehen. Er wohl eher schon. Denn eigentlich noch viel wichtiger als irgend welche Hardware oder doofen Feature ist die Show. Und die war früher nun mal besser. So, habe ich das dann doch noch unterbringen können.
Aber im Ernst. Das ist, was bleibt. Nicht noch ein Musik Streaming Dienst. Oder ob mit Hintergrund in hässlich oder ohne. Das kann fast jeder. Es vorführen und im Gedächtnis bleiben eben nicht.
Aber genau das macht den Unterschied. Hat es schon immer und wird es auch immer. Auch das ist erst mal eine wertfreie Feststellung. Persönlich wird es dann, wenn man sich etwas wünscht.
Und mehr als irgend ein neues Icon oder App oder Dienstchen, da wünsche ich mir, dass da ein kleiner Funken überspringt. So wie früher. Denn dieser Funke blieb immer ein klein wenig am Rechner hängen. Und immer, wenn man in aufklappte, dann sprang der ein wenig über und blieb auch ein klein wenig an der eigenen Arbeit hängen und ging dann von dort auf denjenigen über, dem man die eigene Arbeit übergab und von dort dann …
Das ist, was so eine WWDC und eine Keynote ausmachen sollte. Davon haben wir alle mehr als irgend einen Schwanzlängenvergleich mit Samsung und Co.
Nichts ist perfekt im Apple-Land. Noch nie gewesen. Aber die Welt ein klein wenig besser haben sie nun einmal machen können, so bescheuert, wie das klingt. Aber wenn ich an einem Gerät arbeite, welches mir mehr Freude als Ärger bereitet, dann ist das toll und alle haben etwas davon. Das ist das, was Apple immer ausmachte. Punkt.
Und bei allem (zum Teil falschen) Gemeckere: Ich habe da draußen noch nichts Besseres gefunden. Und ich suche täglich, so ist das ja nicht. Denn nur darum geht es. Das beste Werkzeug für den Job zu finden. Das verstehen nur viele nicht und verwechseln das auch immer noch so oft.
In letzter Zeit anscheinend Apple selber mal gerne.
Wenn ich irgend welche kleinere Erwartungen haben sollte, dann gehen die alle in die Richtung. Dass wir alle zusammen und gemeinsam den Kopp noch mal in die richtige Richtung gedreht bekommen.
Denn eigentlich ist die WWDC keine Spielzeugmesse …