Das Weblog der MOApp Programm Manufaktur.
Tiraden, Kommentare, Fünde und Tipps von Michael & Ollerum.

Spielen wir das Spiel vom Killer doch mal andersherum

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Fangen wir doch mal mit einem alten Michaelischen Sprichwort an:

Wenn ein alter Hund anfängt zu sabbern, dann sabbert bald die ganze junge digitale Herde.

In Zeiten von selbst in Deutschland mehr oder minder schellem Internet ist dieses Bald auch eher kürzer als ungefähr.

Es hat ja genau einen Tag gedauert, eh die alten Hunde die Killerspielblutspur aufgenommen haben und es hat genau keine drei Sekunden gedauert, bis die digitalen Reflexe aus dem gut gedüngten Twitterboden sprießten.

Mal abgesehen davon, dass es als ‘Außenstehender’ schon putzig mit anzusehen ist, wie das eine (beispielhafte, blind aus der Timeline voll mit abertausenden anderen gezogene) Reflexrückenmark dem anderen Reflexrückenmark reflexartig vorwirft, doch zu viele Reflexe zu haben, so spüre ich doch den den reflexartigen Drang, mich zu fragen, ob dieser hinkende Vergleich nicht doch die Folge einer virtuellen Schussverletzung sein könnte.

Man kann ja aus Versehen schon mal auf den Mute-Knopf kommen und dann bleibt er ungehört.

Solltest du einer meiner maximal drei regelmäßigen Leser sein, so bist du es schon gewöhnt, dass ich mich permanent und mit vollem Anlauf unbeliebt mache. Solltest du dich aus einem Reflex heraus hier verirrt haben, so lasse dir gesagt sein, dass ich schon regelmäßig Tabletten für mein Email- und Internet Tourette nehme; nächste Woche probiere ich es mal mit Medikamenten dagegen.

Dies nur als Vorwarnung für das, was jetzt kommt:

Ich sehe einen Unterschied zwischen Miss Pacman, einem Fußballsimulator und Spielen, bei denen ich nichts anderes mache, als stundenlang Menschen, Tiere, Lebewesen, Gegenstände, WasAuchImmer, abzuknallen und das Blut von meinem Flachbildschirm nur so in 3D tropft.

Man ist, was man ißt. Man nimmt an, womit man sich umgibt. Man glaubt, was man sich sagt und denkt. Man denkt und glaubt, was man sich sagt; bzw. was man gesagt bekommt.

Die Chancen von einer Waffe erschossen zu werden oder sich damit selber zu erschießen steigen exponentiell, wenn nur eine Waffe in der Nähe ist; fragt mal die ganzen Tierärzte auf dem Land und nach ihrer Selbstmordrate.

Das sind übrigens alles ganz ‘normale’ Menschen in ihrer Mehrheit und nein, nicht alle erschießen sich gleich, nur weil sie Tierarzt sind oder gerade eine Waffe zur Hand haben. Für die, die es dann doch tun, wären die Überlebenschancen nur so gewaltig höher gewesen, sie hätten keine Kleinkaliberpistole in der Schublade gehabt.

Aber wenn ich die selbe reflexartige Logik anwende, dann hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Dann darf das eine nichts mit dem anderen zu tun haben.

Was Gutes soll mir widerfahren, wenn ich den ganzen Tag mit Bier in der Hand am Büdchen stehe und über das Leben motze und mich von diesen negativen Energien umgebe und angezogen fühle und mir - wenn überhaupt - auch nur solche ‘Kumpels’ aussuche oder nur solche neben mir stehen, mit dem selben Bier in der Hand und der selben Leier?

Ach? Zu weit hergeholt und/oder an den Haaren herbei gezogen?

Dann erklärt mir mal bitte, warum jeder halbwegs gescheite Pädagoge, Sozialarbeiter oder Kinder- und Jugendpsychiater sich das ‘System’ anschaut und am ‘System’ ansetzt. Wer jetzt vor lauter Gezocke nur an PS4 oder Xbox denken kann, der schaue mal bitte kurz bei Wikipedia vorbei und nein, dies ist nicht einer dieser vielen passend zu einer demnächst auf den Markt kommenden neuen Droge geschriebener Artikel:

Systemische Sozialarbeit

Das einzig Gute an meiner Form des Tourette ist, es tritt nur bei Dingen in Erscheinungen, in denen ich über ein klein wenig mehr als Gefährliches Halbwissen verfüge und wie es der Zufall in meinem nicht gefälschten Lebenslauf nun einmal will, habe ich das sogar gelernt/studiert und in dem Feld länger gearbeitet, als die meisten von euch das Internet kennen.

Wer vor lauter Blut an seinem Bildschirm nichts lesen/entziffern konnte - es geht darum, dass man sich, um Kindern/Jugendlichen überhaupt nähern, anfangen sie ein klein wenig verstehen zu können, nicht einzelne Dinge/Situationen im Leben anschaut, sondern das ganze System, das ganze Umfeld.

Es gibt nämlich nicht eine bestimmet Ursache, ein bestimmtes Symptom und auch nicht einen einzigen, bestimmten Auslöser. Es liegt eine Systemstörung vor.

Das Spielen von ‘Killerspielen’ alleine macht noch keinen Amokläufer. Im System, als Ganzes betrachtet gehören sie aber dazu. Oft gehört es zum ‘Ganzheitlichen Ansatz’ auch, Dinge von Hinten aufzuziehen.

Ich weiß es nicht ganz genau und ich bin weder mit den Amokläufen der letzten Jahrzehnte besonders bewandert, noch hat eine Google Suche genügend an den Tag gefördert - aber ich würde gerne mal folgende Frage (ob nun von Hinten oder gar hinterhältig liegt im Auge des Beantworters) stellen:

Welcher der (ja, männlich, da sind die Statistiken eindeutig) sogenannten Amokläufer hat KEINE Killerspiel mehr oder minder exzessiv gespielt?

Man könnte es auch anders formulieren:

Welcher der sogenannten Amokläufer hat seine Gewaltphantasien vorher nicht virtuell versucht auszuleben?

Ich kann euch förmlich sabbern und geifern hören. Killerspiele sind nun einmal der Kantinen-Schweinebraten der Generation Touch-Screen. Wie ihr gleich alle (zum Glück nur/noch virtuell) Amok zu laufen anfangt, wenn auch nur irgend jemand andeutet, ihr könntet eventuell etwas weggenommen bekommen, worauf ihr nun einmal ein angeborenes Grundrecht habt.

Fleisch ist schädlich und für die eine Hälfte der Gleichung leider elendiglich tödlich. Und ja, auch das Ozonloch gibt es wirklich.

Ich bin so dreist und behaupte das gilt auch für so manches Spiel; wenn zum Glück auch nicht in der selben Größenordnung tödlich. Und ja, ich weiß, ich höre euch direkt schon wieder über die Zahlen und Ausnahmen und all die vielen angeblich normalen Menschen diskutieren und abwägen und verklären.

Aber wehe, jemand kippt euch Glyphosate ins Becks Gold und hat dann noch die Dreistigkeit über die Menge und Ungefährlichkeit zu diskutieren. Hätten diese ganzen gekauften Politiker doch einen Arsch und den Mut, die komplett zu verbieten und den Phosphor-Gockel gleich mit; schließlich haben wir ja ein verbrieftes Grundrecht auf drei mal Aufschnitt pro Tag ohne Herbizide.

Wehe diesen selben Politikern, wenn sie einen Arsch zeigen wollen, wenn es um etwas geht, worauf wir ja ein noch viel größeres Grundrecht haben.

Ist schon putzig, wie man gegen die NRA sein kann und pro Sierra.

Wie? Das ist ein unfairer Vergleich? Aus dem selben Mund, der Tot, Mord und Blut mit Fußball gleich stellt?

Wie sagt die NRA immer so schön? Irgend etwas von Menschen und nicht Waffen? Und was antworten wir dann immer, weil wir zum Glück noch ein wenig (nicht nur an uns selber) denken können?

Aber wehe, es geht um Dinge, die wir mögen und die die anderen nicht verstehen und uns wegnehmen wollen. Und nein, ich will euch nichts wegnehmen. Ich will nur, dass wir endlich mit dieser Doppelmoral aufhören und diesem Vorwerfen von Versagen, ohne vorher mal kurz inne und für drei Sekunden die eigenen Reflexe zurück gehalten zu haben.

Wir haben ein Problem. Punkt. Wir haben eine Systemstörung.

Ganz normale Menschen wählen zu Scharen AfD. Fast 50 Prozent aller normalen Menschen in Österreich haben einen Nazi/Rassisten gewählt. Die überwältigende Mehrheit aller Amokläufer der Neuzeit hat Killerspiele nicht nur mal aus Versehen und Langeweile gespielt.

Aber sich das als Ganzes anzuschauen ist ein Tabu; aus dem Mund von vermeintlich aufgeklärten, wissenden und ‘normalen’ Einwohnern des Neulands.

In keinem dieser Fälle helfen Reflexe und noch schnellere Gegenreflexe und schon gar nicht das allgemeine Unter-den-Teppich-Gekehre - allgemein auch unter Besitzstandswahrung bekannt.

Und nein, hier geht es nicht um einen Topf. Wenn du immer noch nicht verstanden hast, worum es mir geht, dann verlasse bitte umgehend die Seite, komme nie wieder und bleibe einfach in (d)einem Mustopf aus Ignoranz und Selbstgefälligkeit hocken.

Mein Tourette zwingt mich abschließend zu folgendem Satz:

Vielleicht sollten einige etwas weniger auf virtuelle Nasen schießen, sondern sich mal an die eigene packen …

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ENDLICH!

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Ach, was haben wir doch sehnlichst darauf gewartet, dass das Internet der Dinge nicht nur Scheiß hervorbringt. Und jetzt ist es endlich so weit! Ab sofort holt es den Scheiß ab …

pooperapp.com

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Michael, 41 - durch Journalismus selbst radikalisiert

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Ja, ich wiederhole mich und ja, es ist immer wieder die selbe Leier. Aber genau so wird man zum Axt-schwingenden Wahnsinnigen.

Ich habe es erst vorgestern behauptet und ich behaupte es heute gleich wieder:

Alles Übel diese Welt momentan wird vom Versagen einer bestimmten Gruppe Menschen nicht nur gefördert, sondern stellenweise sogar ausgelöst. Ja, das ist simpel, das ist plump und und nein, es ist nicht an den immer grauer werdenden Haaren herbeigezogen.

Das einhellige Versagen des Journalismus ist, was fast alle Katastrophen, Kriege, Präsidentschaftskandidaten und sonstigen Fehlleitungen der neueren bis gar nicht mal so neuen Zeit als kleinsten gemeinsamen Nenner haben.

Dass ein Trump, dass eine AfD und ja, auch ein Erdoğan erst so weit kommen konnten, liegt zum großen Teil an den versammelten, unfähigen und vor allem von diesen Katastrophen profitierenden Schreiberlingen dieser Welt.

Jüngste Beispiele gefällig?

17 jähriger radikalisiert sich alleine zu Hause

Künast Tweet

Und es würde mich keine drei Minuten kosten, hunderte solcher Beispiele nur alleine aus der letzten Woche zu bringen.

Die Aufgabe des Journalismus war es noch nie, Stimmung zu machen und auf Scheißestürme aufzuspringen.

In einer Zeit, in der es eh nur noch um gefühlte Unwahrheiten geht, ist das letzte, was eine unaufgeklärte Gesellschaft gebrauchen kann, vermeintlich aufgeklärte Schreiberlinge, die heiße Luft mit der eigenen dünnen Scheiße auch noch anfachen.

Aber genau das ist es, was wir leider (fast) nur noch bekommen!

Ich habe mehr als drei Minuten gesucht, ob irgendwo im unsäglichen Geschrei so eine Überschrift zu finden war:

Was muss alles in 17 Jahren vorgefallen war, dass ein ein Jugendlicher ausrastet und mit einer Axt auf andere Menschen losgeht?

Ja, ich weiß, Opfer Täter Verdrehung. Genau, wie bei der Künast. Wie kann man nur. Elendige Gutmenschen ohne Realitätsbezug, die sich einfach rausnehmen, erst einmal kurz innezuhalten, bevor sie die eigene (zum Glück in den meisten Fällen nur: gedankliche) Axt schwingen.

Elendige, naive Weltverbesserer, denen 12 Jahre deutsches Schulsystem immer noch nicht abtrainiert haben, dass es gefälligst nur eine Antwort zum Ankreuzen zu geben hat und dass die Stelle des Kreuzes vorgegeben ist.

Nein, diese gedanklichen Veganer wollen einfach nicht kapieren, dass wir ein Grundrecht auf Billigfleisch und Meinungsdiktatur haben.

Wer mit einem großen A Lügenpresse ruft, der darf auch nur das große B lesen.

Das Allerschlimmste daran ist ja, dass dieses geistigen Einkreuzmenschen damit ja auch noch recht haben – nur leider nicht so, wie sie sich das haben einbilden lassen.

Ich werde bei dem elendigen Gesamtzustand unserer Presse auch von Tag zu Tag wütender und es kann nicht mehr lange dauern, bis ich meine Axt packe und in die Tagungsräume bei Springer eindringe und mit selbiger dort wild um mich und auf die Tische haue.

Dann wird auch in der Zeitung stehen:

41-jahriger Menschenhasser hat sich alleine zu Hause radikalisiert

NEIN! HAT ER NICHT! ES WAR DIE WELT!

Für die, die diesen lausigen Wortwitz nicht verstanden haben, hier der Link zur Welt

Und jetzt stellt euch doch nur mal vor, was erst Krieg, Flucht, Bomben, Lügen und vor allem Angst, Angst und noch mal Angst aus einem machen können.

Und dann stellt euch noch mal Menschen vor, die auf so eine Frage nicht gleich mit einem Aber kommen, sondern selber kurz innehalten und verstehen, dass es immer zwei Seiten gibt und das zum Verbessern einer Situation Verständnis gehört und ein Nachfragen nichts mit Entschuldigung oder dem Umdrehen irgendwelcher vermeintlicher Rollen zu tun hat.

Und um da noch einen drauf zu setzen: Noch sind wir hier nicht in der Türkei. Noch gelten bei uns ein paar Gesetze und die gelten auch für Verbrecher, Mörder und für dich und für mich.

Und diese sagen (noch, kann, wenn es nach so vielen hier bei uns geht, allerdings nicht mehr lange dauern), dass eben selbst Axt-schwingende Menschen nicht einfach so erschossen werden dürfen und, dass es vielleicht im Sinne aller hier lebenden Axt-Besitzer ist, wenn man auch mal nach- und Dinge hinterfragt.

Ja, das Medium und den Zeitpunkt könnte man – auch wieder im Sinne aller – geschickter wählen, genau so, wie die Reaktionen darauf.

Aber hey, was weiß ich schon?

Ich konzentriere mich jetzt lieber mal wieder auf das Wetzen meiner eigenen Axt …

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Auch ein Halbmond geht nicht im Vakuum unter

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Die Menschheit lernt nicht dazu. Nicht ein Stück.

Was momentan in der Welt und just in diesem Augenblick in der Türkei vor sich geht, passiert ja nicht ohne Grund und die vermeintlich Bösen und Schuldigen sind oft nicht die, auf die sofort gezeigt wird.

Nichts passiert in einem Vakuum; nicht einmal Macht und deren Auslöserin, die Ohnmacht.

Menschen sind wie kleine Hunde. Und Politiker sind auch nur Menschen. Und manche Menschen sind halt kleine Arschlochkinder.

Und bei Arschlochkindern ist ja auch nicht das Kind das Problem. Es sind die Menschen drumherum.

Wer kleine Kinder und kleine Hunde auf den Teppich pinkeln lässt und dann dieses Verhalten begünstigt, in dem er nicht reagiert oder es gar noch fördert, der muss sich nicht wundern, wenn dann auch noch auf den Teppich geschissen wird.

Man hält eben nicht auch noch den anderen Teppich hin.

Mit der Zeitung zu drohen und sie bei Bedarf sogar einzusetzen ist keine schlechte Idee.

Aber genau daran scheitert es ja. Weswegen schaffen die Despoten dieser Welt denn wohl als erstes die Zeitungen ab und drehen die Wasserspritzer in die andere Richtung?

Wenn es tatsächlich momentan so etwas wie ein Vakuum geben sollte, dann ist es vor allem im Journalismus; und auch nicht wieder in den Ort, in den Ländern, auf die man sofort mit den Fingern zeigt.

Dieser, sich gerade auf den eigenen Gebetsteppich scheißende, Erdoğan kann doch nur durchdrehen, weil er durchdrehen darf.

Und das darf er nur, damit sich ein paar armselige deutsche (französische, holländische, usw.) Menschliche Nullnummern, die nicht nur auf jeden Teppich – sondern sich auch gerne mal in die eigene Jogginghose – pissen, weiter CDU und CSU (und deren Pendants) wählen.

Damit man weiter aus der Türkei mit deutschen Bomben die Länder bombardieren kann, deren Flüchtlinge man dann im Mittelmeer absaufen lassen kann, weil man die Milliarden lieber für neue Teppiche in die Türkei schickt.

All diese Dinge müssten täglich an oberster Stelle in deutschen Zeitungen stehen. Aber was ein Glück gibt es Fußball, Petry und Pokémon …

Was in diesem Jahr schon alles passiert und wie deutlich dieses 2016 uns eigentlich zeigen müsste, wie wenige konzentrierte Idioten ein ganzen Land mit Millionen Bewohnern, die nur halbwegs abgesichert und halbwegs ungefährdet ihr neues Smartphone kaufen wollen, in den Untergang reißen können, weil die Mehrheit tatenlos und schweigend an den unzähligen vollgepissten und vollgeschissenen Teppichen vorbei geht.

Während die wichtigsten und mächtigsten Menschen im Lande – die Journalisten – fast nur noch mit sich und ihrem eigenen Versagen beschäftigt sind oder im großen Ablenkungswahn schlicht unter gehen.

Und die wenigen, die wenigstens noch versuchen durch Schreiben und/oder auf die Straße Gehen die verbliebenen, unbeschadeten Teppiche zu retten, werden ja fast nur noch belächelt bis ausgebuht.

Und nein, ich meine nicht mich damit. Ich bin auch nur so ein selbstgefälliges Arschloch, das anderen gerne vorschreibt, was sie zu tun haben, um sich für ein paar Sekunden besser zu fühlen und sich nicht in Grund und Boden schämen zu müssen, weil ihm das Versagen und das Elend dieser Welt am eigenen Arsch und MacBook vorbeigeht.

So lange die eigenen Teppiche noch nicht stinken und noch nicht zu große Falten – vom eigenen darunter gekehrten Versagen – werfen, so lange halte ich es wie ihr. Ich bleibe mit erhobenem Zeigefinger schön daheim hocken.

Die Erdoğans dieser Welt wissen schließlich, dass auf uns in der Beziehung Verlass ist.

Noch schlimmer als ein nicht vorhandenes Vakuum ist nur die allgemeine Gleichgültigkeit …

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Der lange Weg vom Mitmachen zum reinen Konsumieren

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Nicht nur jeden morgen beim Aufstehen sondern auch jeden Tag aufs Neue im Internet wird mir schmerzlich vor Augen gehalten, wie alt ich eigentlich schon bin.

Ich kenne die Zeiten noch, als alles statisch und reines HTML und später ein wenig CSS war. b2 war eine Offenbarung. Und als dann auch noch die Möglichkeit des Kommentierens hinzukam :-0

Es hat keine zehn Jahre gedauert und die meisten haben das mit den Kommentaren auf ihren eigenen Seiten ganz schnell wieder abgestellt. Erst kam der Spam und dann die Spinner.

Ich habe mich ja lange geweigert. Aber mit dem heutigen Redesign (eigentlich habe ich nur die MOApp Seite(n) angepasst, da Google mich mal wieder abgestraft hat, da ich immer nicht so richtig ‘Mobile Friendly’ war und einen Scheiß auf SEO gegeben habe – aber Umsatz ist momentan nicht mehr auf Seite 1 – also habe ich beschlossen, ich muss dann doch mal etwas tun; ich warte momentan sogar tatsächlich auf ein SSL Zertifikat für die wichtigsten Seiten) habe ich dann auch hier die Kommentare geschlossen.

Spam habe ich durch das Verwenden einer eigenen Lösung gut im Griff gehabt und mit Spinnern hatte ich (fast) immer Glück.

Aber die Zeiten sind schlicht vorbei. Ich merke es ja an mir selber. Es ist soviel und gleichzeitig so wenig. Wenn ich was zu sagen habe, dann kotze ich mich kurz in einem Tweet aus oder verfasse hier eine Tirade.

Aber wann habe ich tatsächlich noch mal einen Kommentar auf einer anderen Seite hinterlassen?

Da ich ja täglich zehn neue Dinge finde, über die ich mich auskotzen muss, werde ich wohl immer was schreiben können – aber diejenigen, die hier ab und an noch einen Kommentar hinterlassen, fühlen sich morgens vermutlich auch nicht besser und kriegen den langsamen Tod nicht nur am eigenen Körper, sondern auch am eigenen Internet-Verhalten mit und können den Schritt garantiert nachvollziehen.

Ich alter Optimist hoffe ja, dass es vielleicht in zehn Jahren ein kleines Revival geben wird; allerdings kann es ja auch sein, dass wir uns dann alles wieder Postkarten schreiben :–)

Allen, die sich jemals die Zeit genommen haben, ein dickes Danke fürs Mitmachen!

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ICH WAR DABEI!

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Wenn jahrzehntelang gezüchtete, egoistische Dummbeutel den vermeintlichen Höhepunkt ihres Lebens haben


Der Mensch per se ist komisch. Glaubt mir, ich muss es wissen, ich bin einer.

Egal wie hell(e) oder dunkel wir sind, wir müssen aus dem, was wir sehen und dem, was wir erleben, einen Sinn machen.

Dieser Sinn muss keinen Sinn ergeben. Klingt komisch – ist aber so. Dein Sinn muss nicht mein Sinn sein und unser aller Sinn muss nichts mit einer allgemein verständlichen Logik und schon gar nichts mit Fakten zu tun haben.

Was unser jeder Hirn täglich mehr oder minder erfolgreich versucht, ist eine Verbindung zwischen Ereignissen herzustellen, um sie besser einordnen zu können. Der Sinn des Hirnes dabei ist, Automatismen zu bilden und nicht vollkommen durchzudrehen.

Atmen, Scheißen, Fressen und dann wieder von vorne. Wenn man Glück hat, kommt da ab und an auch noch ein Ficken drin vor. Leider ist das bei vielen ja durch Fernsehen und dem krampfhaften Zwang, Dinge kaufen zu müssen ersetzt worden. Hier ist die Henne allerdings wirklich das Fernsehen. Vor dem Kaufen kommt die Werbung.

Wir sind allerdings nicht wirklich so toll dabei, Sinn zu machen, wie wir uns das gerne einbilden und einreden; die paar Millionen Jahre Evolution haben nicht wirklich ausgereicht.

So kommt es schon mal vor, dass wir Dinge irrtümlich verbinden, die zwar zeitlich und räumlich eine gewisse Nähe aufweisen – aber nicht unbedingt auch wirklich zusammen hängen.

Wenn so eine Bahn aber einmal in unserem einfältigen und auf Faulheit trainierten Hirn angelegt wurde, dann wird die eher verfestigt, als wieder abgebaut.

Je älter man ist, um so schwerer ist das Legen neuer Verbindungen.

Schaut man sich jetzt die Zahlen in Österreich, bei unseren besorgten Rentnern und jetzt bei den Engländern etwas genauer an, dann sticht da eines ganz deutlich ins Auge. Es sind die Alten, die ihre alte Zeit wieder haben wollen.

Daran ist erst einmal nichts verkehrtes. Früher war vieles besser. Jetzt kommt nur der springende Punkt. Dieses früher wird mit ‘vor der EU’ in Verbindung gebracht. Denn zeitlich kommt das wirklich hin.

Diese vielen, alten, verbitterten und im Schnitt mit sechs Stunden Fernsehen pro Tag dauerverblödeten Menschen kennen die Zeit noch, als sie noch nichts hatten und dann ein wenig Aufschwung kam.

In den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern gab es halbwegs ausreichend Jobs für zwar nicht Alle – aber genügend – und halbwegs ausreichende Löhne. Wenn man von ‘ohne fließend Wasser und Strom’ zum eigenen Auto und eigenem Fernseher wechselt, dann bilden sich da Bahnen im Hirn.

Und dann kam der Wandel. Kalter Krieg zu Ende, Liberalisierung der Märkte. Globalisierung. MTV und all diese anderen schrecklichen Dinge. Die Ruhe und der Frieden war vorbei und die Jobs verschwanden.

In der Zeit bin ich groß geworden und in der und seit der Zeit bin ich im Abstand von ein paar Jahren immer mal wieder in England gewesen und ich bin nicht der einzige, dem das aufgefallen ist.

Jedes Mal war England etwas dreckiger, etwas kaputter und etwas weniger funktionierend.

Was soll den ein kleines, dauerabgelenktes und auf Egoismus getrimmtes Hirn sich für Bahnen legen, wenn zeitlich mit dem ‘Aufkommen’ der EU im eigenen Vorgarten Alles den Bach herunter geht?

Zu vereinfacht und polemisch für euch?

Verständlich. Euer Hirn redet euch nämlich ein, dass ihr etwas Besonderes und schlauer als alle anderen seid. Ich bin übrigens der Tollste und der Schlauste; sagt zumindest mein Hirn.

Eigentlich ist es nur simple Mathematik. Dazu muss man nur über den Teich schauen. Nein, noch eins weiter. Schaut euch die Wahlkämpfe in den USA an. Es sind seit fast immer genau fünfzig Prozent dööfer als der Rest; dabei ist es auch vollkommen egal, auf welcher Seite man steht.

Schaut euch Österreich an. Schaut euch England an. Die Hälfte aller Menschen ist vollkommen bescheuert. Und es sind immer die anderen.

Man muss unser Hirn einfach lieben.

Und doch gibt es da ab und an erstaunliche Dinge zu beobachten. Schaut euch mal die Zahlen der Iren und der Schotten an.

Jahrhundertelang auf Freiheit und Unabhängigkeit gebürstete Bahnen im Hirn und dann stimmen die mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib.

Was ist denn bei denen bloß schief gelaufen?

Auch da gibt es eine einfache Erklärung – behauptet zumindest mein ach so schlaues und tolles Hirn. Die Queen ist schuld!

Die EU, bei allem Schwachsinn, steht vor Allem für Freiheit und Frieden.

Und Freiheit ist für die allermeisten Menschen etwas ganz Gefährliches und Schreckliches. Die Mehrheit der Deutschen hätte auch gerne wieder den Kaiser zurück.

Unser auf Faulheit getrimmtes Hirn – was nicht böse gemeint ist, schließlich sichert Faulheit das Überleben – will gesagt bekommen, wo es lang geht. Und noch viel entscheidender: unser Hirn braucht Sicherheit. Und für unser Hirn und unseren faulen Arsch ist Sicherheit etwas vollkommen anderes als Frieden.

Mit der EU war auf einmal vermeintlich nichts mehr sicher; meinte zumindest das Hirn. Für unser Hirn ist nämlich nur das wahr, was Sinn macht. Es kann für unser Hirn also nicht sein, was nicht sein kann, denn sonst würde es durchdrehen und man müsste den Arsch hoch bekommen.

Was hat das jetzt mit der Queen und den Schotten zu tun?

Ein Hirn, dessen Bahnen seit Jahrhunderten auf Freiheit getrimmt wurden, hat zwangsläufig lernen müssen, selbständig zu denken und nicht jedem Schwachsinn zu erliegen, der vermeintliche Bequemlichkeit und einfache Lösungen propagiert.

Irland war von der letzten Finanzkrise verdammt stark betroffen und dennoch haben die es geschafft, das eigene lethargische Hirn nicht in überwältigender Mehrheit auf das Märchen von der bösen EU reinfallen zu lassen.

In Schottland und in Irland – von manchen ganz schlimmen Stellen mal abgesehen – sieht es trotzdem auch nicht ganz so fies aus, wie, zum Beispiel, in den Midlands.

Und nein, das liegt jetzt nicht nur daran, dass Schaafe einfach Alles direkt besser aussehen lassen, mein von sich überzeugtes Hirn behauptet nämlich, dass Freiheit und der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit – einen verdammt wichtigen Verbündeten benötigt: die Solidarität.

OK. Es könnte auch daran liegen, dass in Schottland der Fernsehempfang lange schlechter war. Allerdings kommt das auf das Selbe hinaus: Egoismus ist der Feind von Freiheit und Frieden.

Mir kann es nur gut gehen, wenn es meinem Nachbarn auch gut geht. Ja, man glaubt es kaum – aber das war mal ein Gedanke der EU. Man kann über Kohl und all die anderen dicken, schwitzenden Männer in der Sauna, ja sagen, was man will – aber das hatten die verstanden.

Wenn ich mir aber lieber sagen lassen will, wo es lang geht und ich somit auch alle anderen für mein eigenes Versagen verantwortlich machen kann, dann geht mir der Blick für meine Nachbarn verloren, denn mein Hirn kann diese Bahnen gar nicht legen.

Die Aufgabe des ZDF Fernsehgartens und aller Frau suchenden Bauern ist nicht, Bahnen der Empathie in unseren Hirnen zu legen.


Mein erster Gedanke heute morgen, nachdem ich die Zahlen gesehen hatte, wie welches Alter abgestimmt hat, war ja, die EU lasse sich am einfachsten retten, in dem sie ganz schnell die legale Sterbehilfe für alle verbliebenen Mitgliedstaaten einführt.

Bevor ich jetzt verklagt werde, das ist Satire und da ich niemanden persönlich beleidigt und angegriffen habe, kann da nicht mal das OLG Hamburg etwas gegen machen!

Im Ernst. Der zweite Gedanke war, dass es vor allem ein Bildungsproblem sein muss. Schließlich haben wir in der gesamten EU ja immer noch ein völlig überholtes Schulsystem.

Wirklich? Ihr zählt Schweden zur EU?

Im Ernst, die zweite: Wenn es tatsächlich ein Bildungsproblem wäre, dann müssten ja gerade die jungen, arbeits- und hoffnungslosen gewesen sein, die gegen die EU stimmen, schließlich werden sie von der Schule mittlerweile ja komplett und auf allen Ebenen verfehlt. Sie sind es aber in überwältigender Mehrheit gerade nicht.

Und damit kommt mein Hirn mit seinen bereits festgefahrenen Bahnen wieder zu selbigen zurück.

Frieden und Freiheit. Egoismus und Geld. Angst und Verlust. Hoffnung und Aufbruch.

Wir als Menschheit sind nicht wirklich weit gekommen. Wir sind eine TV Show; auf HBO. Die einen können sich leisten sie zu schauen und die anderen kennen und können BitTorrent.

Vielleicht ist die Lösung nicht, die Alten, Verbitterten, Unzufriedenen von ihrem Elend zu erlösen - sondern die Jungen, Hoffnungsvollen endlich mitreden zu lassen.

Vielleicht ist die EU doch noch zu retten, wenn wir das Wahlalter direkt auf 16 - oder noch besser - auf 14 absenken.

OK, ich persönlich hätte auch kein Problem damit, wenn wir das Fernsehen auch einfach komplett abschaffen und ja, man könnte den Jungen ab und an auch ein Buch in die Hand drücken …

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